Muttertag
Wie viele andere Feste und Ehrentage hat auch der Muttertag seinen Ursprung bereits im Altertum. Mit entsprechenden Zeremonien wurden an den Iden des März in ganz Kleinasien Kybele oder Rhea, die große Göttermutter, verehrt.
Im Mittelalter wurde in England der so genannte Mothering Day gefeiert, bei dem auswärts lebende Kinder die Eltern besuchten und sich mit kleineren Geschenken bei der Mutter bedankten.
Aber der weltliche Muttertag hat auch einen religiösen Ursprung: Unter Heinrich III. wurde im 13. Jahrhundert in England der Mothering Sunday gefeiert, an dem Mutter Kirche für ihre Mutterschaft gedankt wurde. Es war üblich, bei diesem Anlass auch der leiblichen Mutter zu danken. Die ganze Familie versammelte sich im Elternhaus und die Kinder überreichten einen Semmelbrösel-Kuchen, den simmel cake.
Die Frauenrechtlerin und Schriftstellerin Julia W. Howe forderte 1872 öffentlich einen offiziellen Feiertag für die amerikanischen Mütter. Ann Marie Reeves Jarvis führte diese Idee fort und startete am 09.05.1907, dem zweiten Todestag ihrer Mutter, eine Kampagne zur Einführung des Muttertages. Durch den amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson wurde am 08. Mai 1914 der zweite Mai-Sonntag zum nationalen Ehrentag für die Mütter erklärt.
Der Muttertag wurde nach dem Ersten Weltkrieg zunächst auch in Österreich und Skandinavien, ab 1923 dann in Deutschland eingeführt. Hier nutzten ihn die Nationalsozialisten im Dritten Reich 1933 durch eine Erklärung für ihre Mutterkult-Ideologie, wodurch dieser Tag einen braunfaden Beigeschmack bekam. Kinderreiche - natürlich arische - Mütter wurden durch das Mutterkreuz geehrt, sorgten sie doch für den Fortbestand der Rasse und die unbedingt benötigten Soldaten.

Der Muttertag wurde mit der Gründung der Bundesrepublik 1949 wieder ein rein privater Feiertag.
In der damaligen DDR hatte er keine Bedeutung mehr und wurde durch den internationalen Frauentag am 08. März ersetzt.
Rund um den Muttertag existieren verschiedene Bräuche. So wurde zu Ehren lebender Mütter eine farbige Nelke getragen, eine weiße Nelke zum Andenken an bereits verstorbene Mütter. Auch war ein Versenden oder Übergeben von so genannten Muttertagskarten üblich. Heutzutage werden meist symbolträchtige Aufmerksamkeiten zum Muttertag verschenkt: Parfum, Pralinen, Blumen oder auch "Klosterfrau Melissengeist" und "Doppelherz" für ältere Damen. Etwas einfallsreicher ist es, die Mutter (bzw. die Eltern) zu einem Essen einzuladen und den Tag mit ihnen zu verbringen. Kaum einer wagt es, diesen Tag nicht gebührend zu begehen, wodurch er leider für viele Menschen zu einer Pflicht geworden ist. Lt. einer Umfrage des "Spiegel" findet er jedoch deshalb breite Anerkennung, besonders bei jüngeren Männern, da sie somit ihr schlechtes Gewissen darüber beruhigen können, dass die Frauen nach wie vor das Gros der Hausarbeit tragen.
Da geht es doch den Vätern am Vatertag erheblich besser. Jüngere und unverheiratete Männer unternehmen feucht-fröhliche Herrenpartien, aber zunehmend häufiger sieht man auch Väter, die mit Kindern und Frau Ausflüge machen.

 

 

 

 

Zum Muttertag
von Eva Rechlin
Wir wären nie gewaschen
und meistens nicht gekämmt,
die Strümpfe hätten Löcher
und schmutzig wär' das Hemd.

Wir gingen nie zur Schule,
wir blieben faul und dumm
und lägen voller Flöhe
im schwarzen Bett herum.

Wir äßen Fisch mit Honig
und Blumenkohl mit Zimt,
wenn du nicht täglich sorgtest,
dass alles klappt und stimmt.

Wir hätten nasse Füße
und Zähne schwarz wie Ruß
und bis zu beiden Ohren
die Haut voll Pflaumenmus.

Wir könnten auch nicht schlafen,
wenn du nicht noch mal kämst
und uns, bevor wir träumen,
in deine Arme nähmst.

Wer lehrte uns das Sprechen?
Wer pflegte uns gesund?
Wir krächzten wie die Krähen
und bellten wie ein Hund.

Wir hätten beim Verreisen
nur Lumpen im Gepäck.
wir könnten gar nicht laufen,
wir kröchen durch den Dreck.

Und trotzdem sind wir alle
auch manchmal eine Last,
doch was wärst Du ohne Kinder,
sei froh dass du uns hast.

Dein(e) __________

 

Meine Mutter
von Rosemarie Neie
Von allen Müttern auf der Welt
ist keine, die mir so gefällt
wie meine Mutter, wenn sie lacht,
mich ansieht oder gar nichts macht.

Auch wenn sie aus dem Fenster winkt
und mit mir rodelt, mit mir singt
und nachts in Ruhe bei mir sitzt,
wenn's draußen wettert, donnert, blitzt
und wenn sie sich mit mir versöhnt
und wenn ich krank bin mich verwöhnt -
ja, was sie überhaupt auch tut,
ich mag sie immer, bin ihr gut.

Und hin und wieder wundert's mich,
dass wir uns fanden - sie und ich.

 

 

 

 

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